Bulgarisches Frühstück
1976 hatte sich die englische Transkription in Deutschland noch nicht breitgemacht. Die Stadt Plovdiv hieß beispielsweise noch Plowdiw.
Ich fuhr mit meinem Bruder per Bahn von Berlin nach Plovdiv, um Ruslan Mitkov zu besuchen, der damals vermutlich noch Mitkow hieß. Zwei Tage und drei Nächte benötigte der Zug für die 1000 Kilometer, eine Entgleisung in der Slowakei nicht mitgerechnet.

Ruslan Mitkov in Plovdiv (1976)
Ruslan studierte Mathematik in Berlin und war der Liebling der Frauen. Auch die Mädchen in Plovdiv mochten ihn. Wenn er einen Raum betrat, roch es gleich nach Irisch Moos. Das war damals der neuste Schrei und nur in Plovdiv, Budapest oder im Intershop zu bekommen.
Während die Berliner 1976 noch auf Deep Purple und die Rolling Stones standen, hatten die Plovdiver schon Barry White und George Mc Crae entdeckt, und kamen damit in den Discos bei den Mädels viel weiter. Ruslan hatte sogar ein Auto, mit dem man zur Disco und manchmal auch wieder nach Hause fahren konnte.

Mein Bruder, das Auto und Ruslan Mitkov (v.l.n.r.)
Es war ein schöner Urlaub in Plovdiv. Wir waren jung und voller Abenteuerdrang.
Von Ruslan Mitkov habe ich vor allem das Bulgarische Frühstück erlernt: Wenn man satt ist, werden die vier Ecken der Rabotnitschesko Delo zusammengerafft, und schon ist der Schreibtisch wieder sauber! Hierzulande nimmt man heute in Ermangelung des Originals am besten die Süddeutsche Zeitung, die hat das selbe großkotzige Format.

Der Autor dieser Seite (1976)
P.S.: Wo Ruslan Mitkov heute steckt, weiß ich leider nicht. Bei Google findet man ihn 23.600 mal. Vielleicht schreibt er ja einen Kommentar zu diesem Artikel, wenn er das hier liest.
Wow, wo hast du denn die Bilder ausgegraben? Ich wusste gar nicht, dass außer meinen noch welche existieren. Herrlich, die vielen Haare auf dem Kopp!
Ruslan ist vielleicht bei den Bulgaren kein seltener Name, aber wenn er aus Plovdiv kommt und in der DDR studiert hat, ist er womöglich der: hier oder der hier (scheint der gleiche zu sein).
Hallo,
waren Sie seither nochmal in Plowdiw? Wir fahren in 2-3 Wochen…
@ Reinard Schmitz:
Nein, hatte bis 1989 leider keine Gelegenheit mehr, und danach war die Welt plötzlich viel größer. Hat sich bestimmt stark geändert in 30 Jahren. Plowdiw soll ja eine sehr schöne originale Altstadt haben, von der ich aber auch damals nicht viel gesehen habe. Viel Spaß bei Ihren Erkundungen. Ich werde es in Ihrem Blog nachlesen.