Hilferuf: Rettet diese Allee! (10)
Die gestrige Informationsveranstaltung der Kreisverwaltung zur geplanten Alleenfällung machte es sehr deutlich: Vize-Landrat Carsten Bockhardt hat mit seiner Verwaltung alles dafür getan, um vom Landesumweltamt grünes Licht für diese in Brandenburg beispiellose Aktion zu bekommen. Man rechnet noch im Monat August mit einer Entscheidung, der erhofften Fällgenehmigung, aus Potsdam und könnte dann zur Motorsäge greifen. Noch ehe der Kreistag seine erste Sitzung nach der Sommerpause eingeläutet und der etwas überrumpelte Ausschuss für Landwirtschaft und Umweltschutz (A5) am 5. September erstmals getagt hätte, könnten schon Tatsachen geschaffen sein. Die Stadtverordneten von Biesenthal, der Danewitzer Ortsbeirat und die Gemeindevertretung von Rüdnitz, die von der bevorstehenden Komplettfällung aus der Zeitung oder dem Internet erfahren haben, werden eventuell erst zur nächsten Kommunalwahl merken, dass mit den Bäumen auch ihre Chancen zur Wiederwahl gefallen sind.

Carsten-Bockhardt-Allee Rüdnitz (ehemalige Danewitzer Straße)
Aber der Reihe nach. Die Informationsveranstaltung in Eberswalde galt nur Vertretern „anerkannter Naturschutzverbände“. Dank der durchgesickerten Information waren aber etwa 15 weitere Bürger gekommen und Herr Bockhardt war klug genug, diese nicht nach Hause zu schicken. In epischer Länge wurden die Vorgeschichte der Ausbauplanung der K6005 seit 1997, die landschaftspflegerische Begleitplanung des bekannten Professors Rudolph und die sogenannten Verkehrssicherungspflichten erläutert.
Bockhardt machte folgendes klar: Der Ausbau der Straße ist aufgrund des Bauzustandes (schlechteste von 4 Zustandsklassen) notwendig und längst überfällig. Da 80 Prozent Fördergelder des Landes verwendet werden sollen, muss sich der Kreis an die einheitlichen Normative für Kreisstraßen halten. Das heißt 5,50 m Fahrbahnbreite (derzeit 4,75 m bis 5,25 m) und links und rechts jeweils ein Meter bis zu den Bäumen, macht einen Regelquerschnitt von 7,50 m. Heute ist ein Abstand der Baumreihen von 6,60 m bis 7,75 m vorhanden. Die derzeitige Planung sieht eine komplette Fällung aller 726 Bäume vor. Es sollen neue Bäume in einem Abstand von 2,50 m von der Fahrbahn gepflanzt werden. Die Sortenwahl (Linde, Ulmen, Ahorne) überlässt er gern den Fachleuten, also den Gehölzsachverständigen, anerkannten Naturschutzverbänden usw.
Immer wieder betonte Carsten Bockhardt in der kontrovers geführten Diskussion, dass ein Ausbau der Straße ohne Fällung der Allee nicht zu haben sei, da sonst Fördergelder verfielen, die auch in künftigen Jahren nicht zu bekommen seien. Der Kreis sei froh darüber, dass man 750.000 Euro für Ersatzmaßnahmen, einschließlich der Neupflanzung der Allee im Haushalt untergebracht hätte. Einige weitere Zitate: „Dies ist eine der letzten großen Gelegenheiten, in Brandenburg eine Allee neu zu pflanzen.“ „Wir haben uns nicht darum gerissen, diese Straße 1997 als Kreisstraße zugeordnet zu bekommen.“ „Ich habe so beim Minister gejammert, dass die Förderung von 75 auf 80 Prozent erhöht wurde.“
In der Diskussion wurden vom B.U.N.D., vom NABU, von den Grünen und von Mitgliedern des Naturschutzbeirates des Kreises, vom Forstbotanischen Garten, selbst von Professor Rudolph und Herrn Frommer von Gehölzsachverständigen-Verband Vorschläge unterbreitet, zumindest die wertvollsten Teile der Allee zu retten. Herr Bockhardt versprach, die Erhaltung einzelner „Baumdenkmäler“ prüfen zu lassen. Das klingt recht wenig, geht es doch um „eine der letzten geschlossenen Spitzahornalleen Brandenburgs“, „große Bereiche vitaler Bäume mit einer zugebilligten Restlebensdauer von über 20 Jahren“, „die stärksten Bergahorne in einer Allee in Brandenburg überhaupt“. Mehrfach wurde in der Diskussion erwähnt, dass „eine Alleenfällung dieses Ausmaßes bisher nicht bekannt sei im Land Brandenburg“.
Vize-Landrat Carsten Bockhardt hat in der Veranstaltung eingeräumt, dass die Konfliktabwägung und die Kompromissfindung einfacher wären, wenn es bessere Informationen der Verwaltung gegenüber den betroffenen Bürgern, Gemeinden und anderen Kreistagsausschüssen gegeben hätte. Er bot den Rüdnitzern und Danewitzern die kurzfristige Durchführung solcher Informationsveranstaltungen an, wenn deren Vertretungen es wünschten.
Auf diese Veranstaltung sind wir Rüdnitzer schon sehr gespannt.
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