Die Initiative der “Enttäuschten”

Posted on Montag 9 Oktober 2006

Hilferuf: Rettet die Allee Rüdnitz – Danewitz! (21)
In ihrer Wochenendausgabe berichtete die Märkische Oderzeitung von einer „Bürgerinitiative enttäuschter Allee-Anwohner“, die sich gegen die Entscheidung des Landesumweltamtes zur Erhaltung unserer Allee wendet. Zehn Einwohner hätten an den Brandenburgischen Umweltminister Dietmar Woldke geschrieben, weil die Entscheidung des Landesumweltamtes diesen Anwohnern und einem Unternehmen Mehrbelastungen zumute, wie höhere Versicherungsprämien und womöglich weitere Wege.

Nanu? Spätestens hier habe ich gestutzt und noch mal gelesen. Versicherungen bestimmen in Brandenburg, dass Alleen gefällt werden? Glaube ich nicht. Das steht so eigentlich nicht in der Landesverfassung.

Liebe Versicherungen und Versicherte! Wenn die Allee-Bäume in der Danewitzer Straße nicht die Wucht des aus Richtung Wullwinkel wehenden Orkans im Juli 2005 abgefangen hätten, hätte es vermutlich einige Dächer in der Siedlung abgedeckt. Nicht nur in der Danewitzer, sondern auch am Elsternweg und am Feldweg. Alleen haben neben vielen anderen guten Eigenschaften auch die Funktion eines Windschutzstreifens. Wenn jetzt die Bäume gefällt würden, werden sich die Versicherer sicher überlegen, ob sie nicht sofort die Prämien hochsetzen, weil der Windschutz fehlt.

Noch ein Wort zu den Mehrbelastungen für das „betroffene“ Unternehmen, die Hoffnungstaler Werkstätten gGmbH. Bis vor wenigen Jahren hat dieses gemeinnützige Unternehmen seine Mitarbeiter vom Wohnort in Lobetal zum Arbeitsort in Biesenthal und zurück umweltfreundlich mit Bussen befördert. Diese hat man durch eine Armada von VW-Kleinbussen abgelöst, die sich auf der Allee an jedem Werktag Wettrennen gegeneinander und gegen die Uhr liefern. Der Lärm und die Abgase dieser Kleinbusse sind eine deutliche Mehrbelastung für die Anwohner, radfahrende Schulkinder und Erwachsene und natürlich auch für die Alleebäume. Das müssten eigentlich auch die Rodungsbefürworter wissen. In Bezug auf die zurückgelegte Wegstrecke haben die Hoffnungstaler wirklich sehr viel Optimierungspotenzial.

Sehr geehrter Minister Dietmar Woldke, bleiben Sie standhaft! Sie haben hervorragende Fachleute im Landesumweltamt. Auf jene kann ganz Brandenburg stolz sein!

Ahornallee vor Danewitz
Ahornallee vor Danewitz, September 2006


  1.  
    09.10.2006 | 22:47
     

    Ich empfehle allen Baumgegnern ein mal eine Reise nach Hong Kong oder Tokio zu unternehmen. Ich glaube dort wissen vor lauter Urbanisierung viele Menschen nur noch aus dem Internet oder dem TV wie ein Baum aussieht.

    #Ironie
    Aber eine schöne hohe Mauer aus Beton könnte entlang der Allee auch als Windschutz und geringerer Versicherungsprämien dienen. So manch Frustrierter mag sich über diese alternative sicher erfreuen.

  2.  
    10.10.2006 | 01:13
     

    Ich möchte mal den Gedankenanstoss geben, wer nach Fällung der Allee auftragsbedingt in Bezug auf die Neupflanzungen – und die würden ja in einem nicht unerheblichen Umfange stattfinden – profitieren würde. Meiner Kenntnis nach war es abgemachte Sache, dass es die Barnimer Baumschulen Biesenthal sein werden. Wer hier an Interessenverknüpfung denkt, führt Böses im Schilde…

  3.  
    10.10.2006 | 06:46
     

    Vize-Landrat Carsten Bockhardt sprach bei der Anhörung am 24.08.2006 von 750.000 Euro für Ersatzmaßnahmen. Wenn es wirklich so sein sollte, dass dieses Geld überwiegend bei der Barnimer Baumschule Biesenthal gelandet wäre, kann man die “Enttäuschung” der Hoffnungstaler Anstalten in Gestalt einer “Rüdnitzer Bürgerinitiative” schon verstehen.

    Andererseits wird mir langsam auch klar, weshalb die Biesenthaler Kommunalpolitiker und Stadtverordneten bisher so beharrlich geschwiegen haben. Sie erhoffen sich vermutlich auch noch etwas von den 750.000 Euro “Ausgleichsgeldern” fürs Stadtsäckel.

    Und für die Biomassehöfe und Holzdiebe wäre sicher auch noch etwas übrig geblieben.

  4.  
    Norbert
    10.10.2006 | 09:20
     

    Also, das mit der Windschutzmauer wäre ja ne tolle Idee. Müsste nur noch geklärt werden, von welcher Seite diese angemalt werden darf, z.B. mit Alleebäumen. Getreu dem Motto: “Niemand hat die Absicht hier einen Baum zu fällen …” Ansonsten werde ich anhand vieler tagtäglich nachzulesender Beispiele aus der Rubrik “Mit den Hobby-Demokraten durch die Lande” daran erinnert: Kommunalpolitik ist die legale Form der organisierten Klein-Kriminalität!

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