Frührenaissance und Sandstein in Rüdnitz

Posted on Samstag 11 November 2006

Leonardo da Vinci.jpgRüdnitzer Geschichten (1)
Die Siedlungsgeschichte von Rüdnitz reicht bis in die Bronzezeit zurück. Um 1880 wurde nördlich des Dorfes am Weg zur Langerönner Mühle ein großes bronzezeitliches Flachgräberfeld entdeckt und aufgeschlossen. Rüdnitz wurde erstmals 1375 im sogenannten Carolinischen Landbuch als Ausstattungsdorf des Schlosses Biesenthal urkundlich erwähnt. Die Rüdnitzer Feldsteinkirche ist frühgotisch und weist schon äußerlich einige Besonderheiten auf. Die Westseite mit dem viereckigen Turm und seiner barocker Haube wurde 1733 bis 1735 neu errichtet und ist völlig ohne Portal und Fenster. Das Kirchenschiff wird von Norden betreten, ein zweites Schiffsportal im Süden ist vermauert. Daneben existiert jedoch noch eine Priesterpforte.

Altar in Rüdnitz.jpgLeonardo da Vinci auf der Predella
Bemerkenswert ist der Frührenaissancealtar von 1530, der noch den Typ eines Schreines mit beweglichen Flügeln und geschnitzten Darstellungen zeigt. Die Seitenschreine sind geschmückt mit den Figuren des Paulus, Petrus und Johannes sowie einem Bischof, vermutlich Jacobus, sowie Maria, Maria Magdalena und Johannes dem Täufer mit Lamm. Das Altarmittelstück zeigt die vier Evangelisten, bis auf Johannes bärtig und mit aufgeschlagenen Büchern. Interessant auch die Predella, die eine Kopie des Abendmahlgemäldes von Leonardo da Vinci trägt.

Leonardo da Vinci.jpgÄlteste Kanzel der Mark
Das eigenartigste Ausstattungsstück der Rüdnitzer Kirche ist die achteckige Sandsteinkanzel, die neben dem Triumphbogen zwischen Schiff und Chor steht. Fünf gemauerte Stufen führen zu der Kanzel aus dem frühen 17. Jahrhundert, die blau, weiß und golden bemalt ist. Der Aufbau ist mit neun Engelsköpfen aus rotem Ton, Blattornamenten im Stil der späten Renaissance und Buckelverzierungen geschmückt. Die Rüdnitzer Sandsteinkanzel soll die älteste erhaltene Kanzel in der Mark Brandenburg sein.


  1.  
    13.11.2006 | 08:38
     

    Mal ein anderes Thema, sieht jetzt über Firefox auch optimal aus, so wie es sein soll- Gruß Andy

  2.  
    13.11.2006 | 09:26
     

    Danke für das Feedback. Die ganze Nacht PHP und CSS getestet, bis der Bug gefunden war. Gruß aus Rüdnitz

  3.  
    13.11.2006 | 17:03
     

    Das Mittelbild ist eine Darstellung der Inspiration der vier Evangelisten durch den Heiligen Geist, eine sehr selten und auf jeden Fall erst nach der Reformation verwendete Ikonographie. Da die Figuren in den Flügeln aus dem 15.Jhdt. stammen (lt. Dehio: um 1430/40) muß vorher etwas anderes im Mittelteil gewesen sein, vermutlich die obligate Mariendarstellung. Es könnte sein (aber das ist nur eine Vermutung), daß der Marienkopf , der ganz oben auf dem Altar steht (auf dem Bild nur schemenhaft zu sehen) daher stammt. Die sparsamen Märker haben ungern etwas weggeworfen. Die Kopie nach Leonardo da Vinci ist natürlich noch späteren Datums. Ein sehr interessanter Patchwork-Altar !

  4.  
    13.11.2006 | 18:21
     

    Hallo Rainer! Herzlichen Dank für diese Ergänzungen. Du sagtest ja neulich, dass Du für das nächste Heft der Reihe “Offene Kirchen” Eures verdienstvollen Förderkreises Alte Kirchen Berlin-Brandenburg e.V. einen Artikel über die Rüdnitzer Feldsteinkirche vorbereitest. Wenn es soweit ist, mache ich hier gern Werbung dafür. Viele Grüße aus Rüdnitz!

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