Rettet die Allee Rüdnitz – Danewitz! (39)
Ich habe mir heute mal die Überschrift aus der Zeitung ausgeliehen. Nach der Berliner Zeitung, dem RBB-Fernsehen, dem Hauptstadtblog, der BZ, dem Deutschlandradio, der BILD-Zeitung und der Märkischen Oderzeitung (die Reihenfolge stellt keine Wertung dar) berichtet heute erstmalig der Berliner Kurier fast ganzseitig über unsere Bemühungen zur Rettung der Allee. Marion Klemp schreibt dort:
Rüdnitz – So ein Irrsinn! Mit zwei Millionen Euro Steuergelder von der EU soll im Barnim die unbedeutende Kreisstraße 6005 verbreitert und 726 alte Bäume umgesägt werden, obwohl das laut Experten nicht nötig ist.
Und weiter heißt es:
Zwei Kilometer lang ist die Straße von Danewitz nach Rüdnitz und noch mal 3,5 Kilometer bis zur L 29. Für den Verkehr ist sie unbedeutend, ökologisch aber ist sie eine der letzten alten Ahorn-Alleen in der Mark. Jetzt soll sie umgesägt werden, weil Kreisfürsten für die Straßenverbreiterung aus Brüssel Fördergeld erhalten.
Lichtblick bei der Märkischen Oderzeitung
Die Märkische Oderzeitung hat gestern – zumindest in der Bernauer Lokalausgabe - die alternative Planung und das neue straßenplanerische Fachgutachten (wir berichteten) kurz vorgestellt.
Ein Lichtblick für den Qualitätsjournalismus im Niederbarnim! Die Bernauer Lokalredaktion scheint auf den Weg der Tugend einzuschwenken und titelt: „Sanieren, ohne die Bäume zu Fällen“ (Stil und Diktion sind dem Original entnommen). Es geht doch, wenn man will, lieber Lokalredakteur.
Nun sind wir weiterhin sehr gespannt, ob die Kreisverwaltung endlich wahre Größe zeigt und sich nicht an Bäumen vergreift.


Die am 23.11.2006 vom Landrat initiierte Anhörung zum Ausbau der K 6005 , sowie der im Zuge dessen geplanten Alleenvernichtung verlief ohne besondere Überraschungen.
Die Vertreter der Naturschutzverbände und andere Alleenfreunde beließen es bei sachlichen Argumenten . Grundtenor war, dass die Allee als Lebensraum und landschaftsprägender Bestandteil erhalten werden muss und dies auch bei Ausbau der Straße problemlos möglich sei. Hierbei bezog man sich zu Recht auf das fachlich fundierte Gutachten des Straßenplaners Dr. Ditmar Hunger.
Eine Rüdnitzer Bürgerinitiative, die für die Fällung der Allee streitet, stellte ihre Position ebenfalls dar , wobei der augenscheinlich bar jeder Sachkenntnis vorgetragene Beitrag von Frau Dr. Marlinde Mißlitz wohl als negativer Höhepunkt der Veranstaltung zu werten ist.
Im Zuge ihrer völlig verdrehte Darstellung des Gutachten zu Straßenbaualternativen verzog auch mancher Kreisverwaltungsmitarbeiter schmerzvoll das Gesicht.
Immerhin unterhaltsam geriet die „ Kurzgeschichte“ des BI-Vertreters Holger Mag. Es steht zu hoffen dass Herr M. sich der Gefühle angstgepeinigter Radfahrern auch dann noch erinnert, wenn im Zuge des Straßenausbaus und des Wegfalls der immerhin ein wenig respekteinflößenden Baumbepflanzung alle Geschwindigkeitshemmungen fallen und die Radler „ von der Straße gefegt werden“.
Natürlich sollte dabei nicht bestritten werden das die Verkehrssicherungspflicht an den Alleenstraßen ernst genommen werden muss und entsprechende Pflegemaßnahmen an der K6005 anstehen.
Mehr als deutlich wurde, dass Kreisverwaltung und Landrat die Veröffentlichung von Baualternativen absolut nicht ins Konzept passt. Man werde sich natürlich damit beschäftigen , sehe aber schon jetzt Schwierigkeiten. Was gegen eine Umsetzung der Vorschläge Dr. Hungers spricht, war allerdings auch bei wiederholter Nachfrage nicht zu erfahren.
Bleibt zu hoffen, dass sich die Untere Naturschutzbehörde Barnims trotz des auf ihr lastenden Erwartungsdrucks an ihrer Bestimmung, dem Schutz der Natur, orientiert.
Dabei müsste die Existenz baulicher Planungsalternativen eigentlich von entscheidender Bedeutung sein. Im Jahre 2005 untersagte die UNB sinnvoller Weise die Fällung einer Allee in Panketal , da auch in diesem Falle baumschonende Straßenausbauvarianten nicht berücksichtigt worden waren.
Die Fällung besagter Lindenallee war übrigens in bewährter Weise von Professor Rudolph empfohlen worden (siehe Link: .
Interessiert finden die Naturschutzrechtlich Entscheidung betreffs der „Panketaler Allee“ hier.
http://gruene-niederbarnim.de/naturschutzrechtliche_entschei.23143.0.html .
Die am 23.11.2006 vom Landrat und Teilen der Kreisverwaltung initiierte Anhörung zum Ausbau der K 6005 hatte für mich eher den Charakter einer Alibi-Veranstaltung. Ich sollte mich sehr irren, wenn die Entscheidung für die Fällung der Allee nicht vorher schon fest stand. Der Scheindemokratie wurde aber Genüge getan, in dem alle Meinungen gehört wurden. So kann man sich eben als „gute Demokraten“ im Nachhinein nichts vorwerfen lassen.
Zugegeben hatte ich bislang ziemlich naive Vorstellungen, dass sich der Landkreis Barnim von einer vernünftigen Alternativplanung überzeugen lassen könnte, die verkehrsplanerisch völlig ausreichend und finanziell günstiger wäre und zudem die über 700 Alleebäume erhalten würde. Das Gutachten des Verkehrsplaners Dr. Hunger hätte solche Vorgaben erfüllt. Auch zeigt das vom BUND in Auftrag gegebene Gutachten des Vorsitzenden des Gehölzsachverständigen-Verbandes Brandenburg-Berlin, Manfred Frommer, dass die Bäume eine genügende Vitalität besitzen und die Allee an der K 6005 erhaltenswert ist. Damit wird die Richtigkeit des von mir von Anfang an angezweifelten Gutachtens des Prof. Rudolph in Frage gestellt. Wohlbemerkt: Manfred Frommer ist nicht irgendwer. In der Region hat er den Status eines Baum-Papstes!
Doch hier zählen andere Gesetzmäßigkeiten. Es geht um Auftragsvergaben und es verdienen mehrere (ansässige) Firmen viel „schmutziges“ Geld daran. Na sowas: Verblüfft lese ich, dass die Finower Planungsgesellschaft schon einmal einen Auftrag für die K 6005 hatte … Und die Barnimer Baumschulen Biesenthal der Hoffnungstaler Werkstätten gGmbH könnten durchaus den Großauftrag für die Neupflanzung erhalten. Wer bekommt den Auftrag für die Rodung der Allee und das Holz? Wurden die Aufträge vielleicht schon im Vorfeld vergeben? Verdienen wieder mal „alle“ daran auf Kosten des Steuerzahlers, der Natur und vor allem der Vernunft? Ist Filz und Korruption im Spiel? Ist es ein Fall für den Landesrechnungshof, der Korruptionsbehörde der Landesregierung und Transparency Deutschland? Diese Fragen müssen wir uns stellen und unabhängig davon, ob die Allee erhalten werden kann oder nicht, lückenlos aufklären!
Die von dem Mitglied der Bürgerinitiative Rüdnitz “Kreisstraße K6005″, Holger Mag, tränendrüsengedrückte (fiktive?) Kurzgeschichte eines vor herabstürzenden Ästen und Bäumen angsterfüllten Radfahrers war allerdings der Höhepunkt der propagandistischen Geschmacklosigkeit. Wie schön sich doch alles zusammenfügt: Holger Mag ist im Verein Hoffnungstal e.V. der Leiter des Dankortes/Spendenverwaltung und zudem zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit. Und die Sprecherin der Bürgerinitiative, Sylvia Vogelgesang, arbeitet als Sekretärin im Verein Hoffnungstal e.V. der Bodelschwingschen Anstalten Lobetal (http://www.lobetal.de). Da muss ich nur 1:1 zusammenzählen, um zu postulieren, dass hier klare unternehmerische Interessen im Spiel sind. Um den Schein einer Initiative im Sinne der Bürgerinnen und Bürger vorzutäuschen, wurden diese Herrschaften wahrscheinlich von ihren Chefs „in die Spur geschickt“, die Alleefällung durchzudrücken.
Zuletzt eine Warnung an diese selbstlosen Leute der Gegenpartei, ihre Helfer und Helfershelfer: So leicht werden wir es Euch nicht machen. Wir werden an der Sache aufklärend arbeiten, bis die Staatsanwaltschaft ermittelt. Und das auch noch, wenn der letzte Baumstubben an der K 6005 bereits verrottet ist …
Dr. Andreas Steiner (SPD),
Sachkundiger Einwohner im Ausschuss für Landwirtschaft, Umweltschutz und Abfallwirtschaft (A5) des Kreistages Barnim