Rettet die Allee Rüdnitz – Danewitz! (48)
Ich gebe es zu. Ich habe längst die Hoffnung aufgegeben, dass einer meiner Leserbriefe in Sachen Allee in der Barnimer Lokalpresse erscheint. Zu DDR-Zeiten wäre es wohl einfacher gewesen, dass ein kritischer Leserbrief im Neuen Tag gedruckt worden wäre.
Vergangenen Freitag ist mir fast eine Feder gewachsen, als ich im Barnim-Echo, dem Lokalteil der Märkischen Oderzeitung, drei Leserbriefe nebeneinander las, die unisono der Obrigkeit huldigten dankten, dass nun endlich unsere Allee gefällt werden soll. Alle bezogen sich auf den gleichen Artikel in der MOZ. Merkwürdiger Artikel und merkwürdige Häufung gleichlautender Leserbriefe. Ich habe als Teilnehmer der Veranstaltung beim Landrat dort ganz andere Dinge gehört, als in der MOZ zu lesen waren.
Dies ist nun mein Leserbrief zum gleichen MOZ-Artikel. Bin ehrlich gespannt, ob er gedruckt wird:
Für Straßenausbau – gegen Alleenrodung
Der MOZ-Beitrag vom 23.12.2006 wird der Chronistenpflicht eines Journalisten nur unvollständig gerecht. Bei der Übergabe von 1234 Bürgerstimmen für einen Ausbau der Kreisstraße Rüdnitz – Danewitz bei gleichzeitigem Erhalt aller 726 Bäume wurde von der Bürgerinitiative gegenüber dem Landrat betont, dass die Sanierung ohne Alleenrodung nicht nur preiswerter, sondern auch mit den bereitgestellten EU-Mitteln finanziert werden kann. Dies belegt ein Planungsgutachten, das dem Landrat seit Mitte November 2006 vorliegt, und diese wesentliche Aussage wird im MOZ-Artikel leider verschwiegen.Für den Straßenbau ohne Rodung votierten innerhalb von fünf Tagen etwa 1.000 Bürger mehr als vorher auf der Liste der Alleegegner. Fast 900 von ihnen kommen aus dem Barnim, darunter Hunderte aus Rüdnitz, Danewitz, Dewinsee und weiteren Biesenthaler Ortsteilen. Unter den Unterzeichnern waren Bürger aller Altersgruppen, mittelständische Unternehmer, auch Mitglieder des Kreistages und Professoren der Fachhochschule.
Landrat Bodo Ihrke darf diese klare Willensbekundung der Bürger nicht länger ignorieren. Für einige unmittelbare Anrainer der Straße, die mir in Gesprächen vor allem ihre Angst vor Straßenbaubeiträgen geschildert haben, muss ein vernünftiger Kompromiss gefunden werden. Vor deren Grundstücken stehen aber nur etwa 50 der bedrohten Alleebäume. Es wäre unverantwortlich und ein Missbrauch von EU-Steuergeldern, wenn wegen dieser 50 Bäume eine nach der Brandenburger Verfassung als Ganzes geschützte Allee gerodet werden sollte.
Update am 3. Januar:
Die Märkische Oderzeitung hat den Brief heute in ihrer Lokalausgabe abgedruckt, zwar leicht redigiert (daher kommt das Wort Redaktion) und mit geänderter Überschrift, aber ansonsten ungekürzt.
Na, wer sagt’s denn. Geht doch.
Der Brief steht übrigens Seite an Seite mit einem schlimmen Schmähbrief eines Herrn Erich Wegner aus Panketal, der uns Naturschützern Populismus und Dummheit vorwirft und pauschal verlangt, dass “Baumfällgegner” im vollen Umfang Kosten jeglicher Art übernehmen sollen, falls durch die Bäume irgendwann einmal Schäden entstünden. Mit soviel “Sachverstand” disqualifizieren Sie sich selbst, Herr Wegner. Die Kreisverwaltung sollte endlich daran gehen, ihre Verkehrssicherungspflicht wahrzunehmen. Was mir in Gesprächen mit Bürgern in der vergangenen Woche auffiel: Einige vom Tornado 2005 Geschädigte haben offenbar nicht einmal versucht, vom Kreis Schadensersatz zu verlangen, sondern haben ihre eigene Versicherung bemüht, die natürlich abblockte. Wer noch nicht einmal diesen Zusammenhang versteht, ist mit Schuldzuweisungen an Dritte schnell zur Hand. Das kann man dann eigentlich nur als Glosse oder “Lacher der Woche” in die Zeitung schreiben.
Auch mein Leserbrief wurde in der Märkischen Oderzeitung (03.01.07) veröffentlicht, und dies wie gewünscht sogar auf der Landesseite (S. 2).
Er ist zwar redaktionell stark eingekürzt worden, enthält aber dennoch die wesentlichen Kernaussagen. Hier die MOZ-Fassung:
Gesunde Alleen sind keine Gefahr
Immer wieder wird behauptet, dass sich die Alleebäume an der Kreisstraße zwischen Rüdnitz, Danewitz und der Landstraße 29 in einem desolaten, nicht-vitalen beziehungsweise kranken Zustand befinden. Diese Aussage entspricht nicht der Wahrheit.
Dabei beziehe ich mich auf die Stellungsnahme des Vorsitzenden des Gehölzsachverständigenverbandes, Manfred Frommer, ein renommierter Baumexperte.
Er hat den Zustand der Straßenbäume an der Allee jüngst als ausreichend vital beschrieben. Konkret heißt dies, dass diese Bäume im Vergleich zu anderen Alleealtbeständen in Brandenburg nicht besser, aber auch keineswegs schlechter sind. Wenn man Astbrüche auf Alleen allerdings gänzlich ausschließen möchte, sollte man demnächst alle Alleen in Brandenburg abholzen. Das wäre dann konsequent.
Wir Mitglieder der Initiative zur Rettung der Allee werden es nicht tolerieren, dass man uns in der Öffentlichkeit ständig als diejenigen darstellt, die den Schutz der Natur vor die Sicherheit von Menschenleben stellen.
Dr. Andreas Steiner (Waldökologe; SPD-Finow, Grüne Liga Brandenburg).
Mitglied im Ausschuss für Landwirtschaft, Umweltschutz und Abfallwirtschaft (A5) des Kreistages Barnim