Radio machen ist schon ein komischer Job. Irgendwie musst du deine Hörer bei der Stange halten, auch und gerade als Jugendsender. Und du musst irgendwie immer wieder auch Themen bringen, die die Gebührenverteiler in den Rundfunkräten bei Laune halten.
Radio Fritz glaubt, das Bloggen als Thema entdeckt zu haben, und versteht garnichts davon. Da wird mal schnell ein Kulturblog aufgesetzt, und die junge Hörerschaft animiert, die Frage „Was bedeutet für dich Kultur?“ zu bloggen. Was man da so liest, lässt dann doch das geflügelte Wort von den Klowänden des Internets fröhliche Urständ feiern.
Den Abschluss des Projektes K 07 („Kultur 2007“) bildete gestern eine Podiumsdiskussion im Fritz-Klub, die dann leider zu einem Pausenfüller vor einem (großartigen) Konzert von Clueso verkam.
Ich war auf die Podiumsdiskussion gespannt. Wir waren von Don Alphonso als Don Alfredo und Don Carlos in den Saal mitgenommen worden. Danke nochmal, zweimal 17 Euro gespart. Von der Diskussion habe ich leider nix -aber auch absolut garnix- mitbekommen, da die Fritz-Leute sich offenbar keinen Tontechniker mehr leisten können. Auch die Diskutierenden konnten sich untereinander nicht hören. Kopfschütteln auf allen Seiten.
Zitty-Chefin Mercedes Bunz sagte: „.ch b.n j. ..ch ..opiusstadt. ..fg.wachsen“ und grinste dabei ins Mikrofon. Don Alphonso wurde gefragt: „K.nn.. S.. ..gentlich a..h ein ..nig …linern?“. Man stelle sich vor: Wegen dieser einen Frage war er extra aus München angereist. Die Antwort hörten wir dank Fritz leider nicht.
Nun noch zum Clueso-Konzert. Der Rapper und Singer-Songwriter aus Erfurt war mit 60-köpfigem Sinfonieorchester gekommen. Die jungen Leute aus Thüringen hatten einen ganz großen Auftritt und die Stimmung ähnelte manchmal der „Last Night of the Proms“. Mehrmals wurde betont, dass sie sogar ihre Anreise selbst bezahlt haben – was machen die eigentlich bei Fritz mit den GEZ-Gebühren? Clueso hatte noch einen weiteren speziellen Gast dabei, Max Herre, mit dem er leider nur ein kurzes Duett sang.

Deren Tontechnik gibt deren Spruch Und das hört man eine ganz neue Bedeutung.
In Berlin hat die Friseurinnung mal mit dem Spruch geworben:
Was Friseure können, können nur Friseure.
Bei Fritz fehlen die “Friseure” offenbar.
Die Platzierung der Diskussionsrunde genau am anderen Ende des Saals war auch sehr unklug. Alle, die nachher bei Ken Jebsens Rede buhten verteidigten wohl schon Stunden vor der Bühne und bekamen von der (fehlenden) Diskussion eh nichts mit. Schade!
Das stimmt. Wenn aber die Diskussionsrunde auf der großen Bühne stattgefunden hätte, hätte Alphonso sicher zur Harfe gegriffen, um sich Gehör zu verschaffen. Dann wären aber diese Prinzen-Doppelgänger (wie hießen die noch gleich?) über Gebühr in Szene gesetzt worden.
Tach, die Kritik bez. der technischen Probleme am Samstag ist natürlich berechtigt und wird für die Zukunft beherzigt.
Bloggen ist in der Tat für uns ein wichtiges Thema; wir sind überzeugt, mit Johnny Haeusler und Spreeblick auch einen sehr kompetenten Partner zu haben, wenn es darum geht, sich dem Phänomen journalistisch zu nähern.
Das Projekt K07 und seine Onlineumsetzung war ursprünglich als offenes Wiki geplant, aus diversen technischen Gründen haben wir uns dann für die bekannte Variante entschieden. Die Bezeichnung Blog war für unser Vorhaben sicher irreführend, wir wollten damit jedenfalls keinen Blogger in seinem Selbstverständnis beleidigen.
Allerdings beunruhigt mich vor dem Hintergrund der üblichen Medienkompetenz der Bloggerszene die Frage nach unserem Umgang mit GEZ-Gebühren. Was denkt Ihr wäre im Club der GEZ-Kritiker los gewesen, wenn wir das Konzert komplett mit Gebühren finanziert hätten und diese Tatsache ans Licht gekommen wäre? Wir sind in erster Linie ein Radio und keine Konzertagentur. Dass dieses Konzert in dieser Qualität möglich war, verdanken wir vor allem der Band und dem Orchester.
Beste Grüße
Matthias Vorndran
Fritz
Hallo Matthias, danke für Deinen Kommentar. Das mit den GEZ-Gebühren verstehe ich jetzt etwas besser. Allerdings: Wenn hunderte Konzertgänger zwischen 13 und 17 Euro Eintritt zahlen, sollte doch zumindest der Bus oder die Bahn-Gruppenkarte für die Orchestermusiker drin. Aber ich bin -wie du- auch keine Konzertagentur.
Mit Johnny habt ihr sicher einen gestandenen Blogger am Sonnabend abend. Ganz interessante Sendung, und Medienbrüche sind ja häufig für beide Seiten interessant.
Nochmal zu dem Clueso-Konzert zurück. Weshalb wurden noch kurz vor 20 Uhr die Hörer über den Sender aufgefordert, in den Postbahnhof zu kommen? Schon um 18:30 gab es keine Karten mehr an der Abendkasse.
Gute Frage. Die Kassenverantwortlichen haben vermutlich die Entscheidung zu spät an die Redaktion vor Ort weitergeleitet. Ärgerlich…