Die Klickbetrüger und das Geschäftsmodell bei Google AdSense

Posted on Freitag 2 März 2007

Google Adsense.jpgBloggen macht Spaß, besonders wenn man ganz nebenbei ein paar Dollar oder Euro einnehmen kann, um die Internetkosten zu verringern. So hatte ich mich vor vier Monaten dazu entschlossen, auf www.der-ruednitzer.de Google-Anzeigen zu schalten, oben unter dem Titelbild, links in der Seitenleiste und zwischen Blog-Artikeln und Kommentaren, also überall dort, wo jetzt die leeren Flächen sind.

Das AdSense-Programm von Google schien zu passen, unaufdringlich, leicht zu implementieren und problemlos in der Abwicklung. AdSense ist schnell erklärt: Ich biete Werbeflächen an, die Google an Anzeigenkunden vermietet oder versteigert. Google rechnet mit den Kunden ab und zahlt einen Teil dieser Erlöse an mich, den Anbieter der Werbefläche.

Google Adsense.jpgIm ersten Monat (November) kamen 25,38 Dollar zusammen, die ich sofort für einen guten Zweck spendete, obwohl das Geld noch nicht auf meinem Konto war. Ich dehnte die Anzeigenschaltung auf das Barnim-Blog aus, optimierte Anzeigentypen, Farben und Positionen, machte für beide Blogs Web-Promotion und Suchmaschinenoptimierung. Die Einnahmen stiegen erfreulicherweise und im Januar überschritt die angesammelte Summe die magische 100-Dollar-Grenze, ab der Google versprach, Geld zu überweisen.

Als keine Zahlung einging, schaute ich in den Zahlungsbedingungen nach und las, dass es erst am letzten Tag des Folgemonats (also Ende Februar) Geld gibt. Gut Ding will Weile haben, dachte ich mir, und wartete auf den 28. Februar. Währenddessen schaltete Google weiter fleißig Werbung auf meinen Werbeflächen und stellte dies seinen AdWords-Werbekunden in Rechnung. Ich weiß das von einem AdWords-Kunden. Er erzählte mir neulich stolz, dass er auf meiner Site Werbung schalte.

Ich hatte Google also einen Lieferantenkredit eingeräumt, so wie viele andere Webmaster weltweit auch. Am Morgen des 1. März 2007, 1:03 Uhr, erhielt ich zu meiner Verwunderung diese E-Mail von Google:

Hallo […],

Uns ist aufgefallen, dass ungültige Klicks bzw. Impressionen auf die Google-Anzeigen auf Ihrer Website bzw. Ihren Websites ausgeführt wurden. Aus diesem Grund haben wir Ihr Google AdSense-Konto deaktiviert. Diese Maßnahme wurde ergriffen, um die Interessen der AdWords-Inserenten zu wahren.

Auf der Website eines Publishers dürfen für Anzeigen keine betrügerischen Klicks oder Impressionen ausgeführt werden. Dies umfasst unter anderem Klicks bzw. Impressionen, die auf eine der folgenden Weisen generiert werden:

– Durch einen Website-Publisher auf seinen eigenen Webseiten
– Durch einen Publisher, der andere dazu auffordert, auf seine Anzeigen zu klicken
– Durch automatisierte Klickprogramme oder andere betrügerische Software
– Dadurch, dass ein Website-Publisher einen beliebigen Teil des Anzeigencodes oder das Layout, das Verhalten, die Zielausrichtung oder die Schaltung von Anzeigen aus irgendeinem Grund ändert.

Solche und ähnliche Aktivitäten verstoßen gegen die allgemeinen Geschäftsbedingungen von AdSense. Aus diesem Grund haben wir Ihr Konto deaktiviert. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie die Programmrichtlinien finden Sie unter den folgenden Links:

https://www.google.com/adsense/localized-terms?hl=de
https://www.google.com/adsense/policies?hl=de

Ein Publisher, der ein Konto unterhält, das aufgrund ungültiger Klickaktivität deaktiviert wurde, ist zu einer weiteren Teilnahme am AdSense-Programm nicht berechtigt und erhält keine weiteren Zahlungen. Die Einnahmen Ihres Kontos werden den betroffenen Inserenten zurückerstattet.

Möglicherweise sind Sie der Auffassung, dass diese Entscheidung irrtümlich getroffen wurde. Falls Sie glaubhaft versichern können, dass weder Sie noch jemand aus Ihrem Verantwortungsbereich – beispielsweise ein Mitarbeiter oder Familienmitglied – für die ungültige Aktivität verantwortlich ist, können Sie gegen die Schließung Ihres Kontos Einspruch erheben. Nehmen Sie hierzu über das folgende Formular Kontakt mit uns auf:

http://www.google.com/support/adsense/bin/request.py?con
tact=invalid_clicks_appeal&hl=de

Wenn Google beschließt, Ihren Einspruch zu berücksichtigen, werden wir Sie umgehend benachrichtigen und gegebenenfalls angemessene Maßnahmen ergreifen. Ist über Ihren Einspruch entschieden worden, werden später bzw. doppelt erhobene Einsprüche nicht mehr in Betracht gezogen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Google AdSense-Team

Ich habe natürlich sofort Einspruch eingelegt. In meinem langen Leben habe ich noch nie jemanden betrogen oder zum Betrug angestiftet, das würde ich unter Eid beschwören. Und das lasse ich mir auch von Google nicht unterstellen.

Vielmehr scheint mir nach diesen Erfahrungen folgendes Geschäftsmodell von Google AdSense plausibel: Google bietet Websitebetreibern an, ihre Werbeflächen über AdSense zu vermarkten. Viele Betreiber erreichen nie die 100-Dollar-Grenze in diesem Programm. Sie sehen folglich niemals Geld von Google, obwohl sie eine Leistung erbracht haben. Das ist etwa so, als wenn man im Supermarkt Waren für 99,50 Dollar in den Korb packt und der Kassiererin lächelnd verkündet, dass man nicht bezahlt, weil das Limit nicht erreicht ist. Erreichen Websitebetreiber dennoch die 100-Dollar-Grenze, werden Sie von Google an genau dem Tag aus dem Programm geworfen, an dem die erste Zahlung fällig ist. Bis dahin haben die Lieferanten durchschnittlich 1½ Monate lang Leistungen erbracht, plus die Leistung für die noch nicht bezahlten 100 Dollar aus der Anfangszeit. Um vom eigentlichen Betrug abzulenken, wird den Lieferanten obendrein „Klickbetrug“ unterstellt.

Wie gesagt, das sind Vermutungen – keine Tatsachenbehauptungen. Mir erscheinen diese Vermutungen nach den mit Google AdSense gemachten Erfahrungen jedoch sehr plausibel. Wem muss hier Klickbetrug unterstellt werden? Dem Sitebetreiber als Lieferanten, oder Google, das für die erhaltene Leistung unter einem Vorwand nicht zahlt?

Ich warte jetzt auf die Antwort von Google auf meinen Einspruch. 24 Stunden, die Google sich selbst als Bearbeitungszeit einräumt, sind längst vergangen. Falls irgendwann eine Antwort kommt, werdet Ihr sie hier lesen.

In der Zwischenzeit würde ich gern von Euch wissen, welche Erfahrungen Ihr mit Klickbetrügern und der Zahlungsmoral von Google gemacht habt?

Nachtrag 03.03.2007: Das hier beschriebene Vorgehen von Google ist kein Einzelfall, wie ein frischer Post auf dem Google Watchblog belegt.


  1.  
    02.03.2007 | 17:35
     

    Hallo Rüdnitzer,

    also nach meinem Kenntnisstand nach gibt es Leute die Bots programmieren welche dann die Webseiten abgrasen und Klicks erzeugen. Anhand der brisanten Themen in Blog „Der Rüdnitzer“ und im „Barnim-Blog“ liegt die Vermutung nahe, dass dir da jemand was schlechtes wollte.

    Ich bin gespannt wie es dann bei meinem Ostkreuzblog aussieht. Das Klickverhalten bei meinen Kampagnen ist bisher normal, nun warte ich auf die 100 Dollar Schalmauer und die Reaktion von Google.

  2.  
    03.03.2007 | 21:59
     

    Hallo Rüdnitzer,
    ich habe mit großer Aufmerksamkeit den Artikel gelesen. Ich bin sehr erstaunt. Schade, das es bei Dir so geendet ist.

  3.  
    03.03.2007 | 22:45
     

    @Oliver: Ich bin unverbesserlicher Optimist, insofern geht das hier weiter. Nur verstecken sich die Leute von Google leider völlig. Google AdSense hat generell ein Reputations-Problem. Ich werde vielleicht auf Adical umsteigen, wenn Google so weitermacht.

  4.  
    Quetschke
    04.03.2007 | 00:48
     

    Hm, naja dann viel Glück, dass du dein Geld vielleicht doch noch bekommst…

  5.  
    Herr S.
    04.03.2007 | 15:56
     

    yup, vor etwa 2 jahren ist mir das gleiche passiert. ich habe mich nun vor kurzem nocheinmal angemeldet un dhoffe inständig, dass mir googe nicht nochmal klickbetrug vorwirft. aber wenn ich das hier lese, habe ich wenig hoffnung …

  6.  
    04.03.2007 | 16:22
     

    Vielleicht hilfreich um den Vorgang einzuordnen:

  7.  
    meinhard
    07.03.2007 | 03:42
     

    Es gibt eine Menge Leute, die brechen sich beim Schifahren die Haxen und steigen auf keine Brettln mehr, weil es ihnen zu gefährlich ist. Ich fahr seit meinem 3. Lebensjahr Schi, hab mir in all den Jahren seither noch nie den Haxen gebrochen und genieße jedes Jahr die Tiefschneeabfahrten (und wenns bei uns keinen gibt, so geh ich nach Colorado in den „fluffy powder snow“).

    Und so läufts auch mit Google AdSense. Treffen sich allerdings, so wie hier, lauter „AdSense Gipshaxen“, so kann nicht viel Positives herauskommen – wird bei einer echten Gipshaxen Versammlung wohl ähnlich sein. Die Masse der AdSense Publisher verdient Geld und hat keine Probleme mit Klickbetrug – ich verdiene gutes Geld damit, und zwar seit Jahren. Auch die Masse meiner hosting-allinclusive Kunden freut sich über steigende AdSense Einnahmen. AdSense ist heute ein, gerade für kleine Online Unternehmer nicht mehr wegzudenkende Einkommensquelle geworden.

    Allerdings – AdSense und AdSense Optimierung, das ist nur ein Teil des gesamaten Marketing Paketes eines Online Unternhmers, und wenn das nicht passt, wirds auch von AdSense keine „Zucki“ geben.

  8.  
    07.03.2007 | 08:25
     

    @Meinhard: Es dauert etwas länger, bis Business-Modelle auch in Österreich umgesetzt werden. Da hilft auch kein Pulverschnee in Colorado.

    Meinhard, vor einer Woche hätte ich vermutlich ebenso hochmütig über das Problem geschrieben wie Du. Wenn irgendein Idiot wie blöde auf die Werbung auf Deinen Seiten klickt, fliegst Du ohne eigene Schuld aus dem Programm. Von Google bekommst Du nichts auf Deinen Einspruch: Keinen Lösungsvorschlag, keine Unterstützung, nicht einmal eine Antwort auf Deine Emails oder Deine Bitte um Unterstützung.

  9.  
    24.03.2007 | 15:42
     

    Wirklich übel. Ich habe schon mal das Gegenteil in Anspruch genommen, nämlich ein Google Adwords-Konto.
    Und zwar zu der Zeit als Google kostenlose 50 Euro Gutscheine verschenkt hat.
    naja, kostenlos… Die haben ständig von meinem Konto abgebucht, obwohl ich keine Einzugsermächtigung ausgefüllt habe.
    Stand wohl im Kleingedruckten, das man da automatisch teilnimmt
    Hat viel Zeit und Nerven gekostet, da wieder rauszukommen :(
    Meine Webseiten vermarkte ich jetzt mit der Einbringung von Werbebannern ( http://www.Klicktausch.com )
    Die geernteten Klicks verkaufe ich dann auf einer Werbeplatzbörse oder EBAY.
    Da hat man wenigstens Kontrolle über die Werbeeinnahmen.

  10.  
    24.03.2007 | 19:53
     

    @Julius; Sehr interessant, dass das auch bei AdWords so unsauber abläuft. Danke für den Hinweis. Auch den Hinweis auf Klicktausch schaue ich mir an und werde dies mal auf diesem oder einem anderen Blog ausprobieren.

  11.  
    Dan
    11.06.2007 | 05:11
     

    Hallo,

    vielleicht gibt Euch das etwas Hoffnung?
    Contaxe startet am 1.7. ein Programm, dass contextsensitive Werbung mit Affiliate-Werbung vereinigt. Wer sich schon jetzt da anmeldet, kann schon für Contaxe werben.
    Also nichts wie los:

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  12.  
    rawied
    03.08.2007 | 09:09
     

    Die beste Alternative zu Adsense ist FavAds. Sieht aus wie Google Anzeigen, sind aber Eure normalen Affiliate Programme. Bringt auch wesendlich mehr Geld, als die par Googlecents.
    Das ist ne echte Alternative, nicht nur für Google geschädigte :-)

  13.  
    olli
    17.11.2007 | 22:08
     

    Mich hats auch erwischt, allerdings seit einem Jahr nur knapp 200 Dollar angesammelt, dummerweise nicht auszahlen lassen, damit ist mein Vertrauen in G. endgültig weg, nun ist Platz genau für dieses Thema in der Anzeigenspalte, also nicht wundern wenns demnächst mehr klicks auf diese “Negativseiten”gibt.

    Übrigens sollte das jeder Webmaster, den es getroffen hat so machen oder?

    Glücklicherweise nutze ich google adwords, da werde ich nun nicht mehr zahlen/abbuchen lassen ich freu mich auf die Klage :-)

  14.  
    17.12.2007 | 18:34
     

    Du kannst mit Contaxe weitermachen, die bezahlen wirklich aus – ist ein Deutsches Unternehmen. Funktioniert genau wie AdSense… Gruß, René

  15.  
    Jutta
    17.06.2008 | 20:14
     

    Ich bin auch heute ohne Vorwarnung und Kommentag aus dem Google-Adsence-Programm rausgeflogen. Nach den Berichten hier habe ich keine Hoffnung, das mein Account wieder aktiviert wird. Ich hatte gerade ca. 96 $ auf meinem Konto und habe mich schon auf die Auszahlung gefreut.

    Das ist eigentlich total unseriös und nicht nachvollziehbar, was Google da mit uns macht, aber ich denke es wäre reine Kraftverschwendung, zu versuchen, dagegen anzugehen. Es tut aber weh, als kleiner Webseitenbetreiber so um seinen sauren Verdienst betrogen zu werden.

  16.  
    Udo
    03.07.2008 | 19:07
     

    Ich hab Monate lang an einem guten Traffic für meine Website gearbeitet.
    Seit einer Woche habe ich ca. 4000 Besucher/Tag auf meiner Seite.
    Jetzt habe ich mich auf gute Adsense Einnahmen gefreut. Heute kam die Mail, dass mein Konto deaktiviert wurde. Die Kommentare in diesem Blog machen mir nicht allzuviel Mut, dass ich die Einnahmen bekomme, bzw. dass man mit Google Adsense seriös zusammenarbeiten kann. So eine verfl… Schei…

  17.  
    jo
    23.12.2008 | 18:15
     

    jup, nun hat es mich auch erwüscht ;-)
    Scheint eine wirklich komische Firma zu sein… Zum Glück gibt es ja Alternativen!

    Viele Grüße & ein frohes Fest!
    Jo

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