Es ist im Moment ganz angenehm für uns Hobbyastronomen – noch sind die Nächte länger als der Tag und doch schon ein paar Plusgrade am Abend. Schon um 19 Uhr ist es heute dunkel genug, um am mond- und wolkenlosen Himmel Sterne und Planeten zu beobachten.
Im Westen steht die helle Venus gut 20 Grad überm Horizont. Noch ist sie weit von ihrer größten östlichen Elongation (Auslenkung) im Juni entfernt. Doch gerade deshalb ist sie besonders hell: „Ist das nicht ein Flugzeug? So hell, das muss doch ein Flugzeug sein.“
Fast die ganze Oberfläche der Venus reflektiert derzeit das Sonnenlicht zu uns. Nur links oben sieht man im Fernglas einen dunklen Schatten. Die Venus ist nach Sonne und Mond das dritthellste Objekt am Himmel und wird uns in den nächsten Monaten „von hinten links“ auf der Innenbahn überholen. Im Frühsommer werden wir dann nur noch die von Westen angestrahlte Venussichel sehen. Der Anblick der abnehmenden Venus ähnelt dann dem zunehmenden Mond ein paar Tage nach Neumond.
Schauen wir weiter auf der Ekliptik Richtung Süden. Noch haben wir das Wintersechseck am Abendhimmel. Das Sternbild Orion mit seinem charakteristischen Gürtel und dem Orionnebel „zwischen den Beinen“ wird wohl jeder kennen. Links darunter der Sirius im Großen Hund. Sirius ist der hellste Fixstern am Himmel. Das liegt nicht an seiner Größe, sondern an seiner Nähe von nur 8 Lichtjahren zu uns. „Nähe“ ist natürlich relativ gemeint, denn unsere Sonne ist nur 8 Lichtminuten von der Erde entfernt, der Erdmond nur eine reichliche Lichtsekunde. Für kosmische Dimensionen sind 8 Lichtjahre dennoch ein Klacks.
Weiter nach Südosten über Zwillinge und Krebs kommen wir zum Sternbild des Löwen mit seinem „Vorderfuß“, dem Regulus. Eigentlich sieht der Löwe eher wie ein Pferd aus, das nach rechts zu den Zwillingen schaut, und ist jetzt im März gut zu erkennen.
Vor der Nase des Löwen, fast noch im Krebs, kann man derzeit den Saturn sehen, der gerade in Opposition war. Hier lohnt es sich, ein gutes Fernglas oder ein Teleskop hervorzukramen, um die Saturnringe zu betrachten. Ich selbst benutze zur Saturnbeobachtung ein preiswertes Teleskop mit 60 mm Objektivöffnung und 700 mm Brennweite. Selbst mit einem 12 mm Okular kann man bei 50-facher Vergrößerung herrlich die Saturnringe sehen. Dieser Anblick verblüfft jeden, der ihn erstmals erlebt. Junge Erwachsene, die leider keinen Astronomieunterricht mehr hatten, kommentieren den Anblick gewöhnlich mit einem langgezogenen „Cool!“.
Inzwischen ist es 21 Uhr und richtig dunkel. Im Osten geht gerade die Jungfrau auf. Im Nordosten hängt der Große Wagen hoch am Himmel, die Deichsel senkrecht nach unten gerichtet, die Hinterachse fast im Zenit. Auf halber Höhe zwischen der Deichselspitze und dem Osthorizont ist ein heller Fixstern zu sehen, der im Fernglas auffällig orange erscheint. Das ist Arktur, der Frühlingsbote im Bärenhüter Bootes.
Wenn Arktur, der vierthellste Fixstern, am Abendhimmel erscheint, lässt das Frühjahr nicht mehr lange auf sich warten. Am Mittwoch, dem 21. März 2007, um 1:06 steht die Sonne im Frühlingspunkt. Ein paar Tage später werden dann auch schon wieder die Bekloppten die Uhr eine Stunde weiter drehen. Und die völlig Bescheuerten bloggen dann wie jedes Jahr irgendwelchen Unsinn über die nunmehr beginnende „Sommerzeit“.
Foto: PixelQuelle.de
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